Profession mit langer Geschichte
Erste Hinweise auf eine speziell ausgerichtete Pflege von Kindern gab es bereits im alten Ägypten. Es wurden Schriften von Soranus und Ephesus aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert gefunden, welche sich mit den Aufgaben von Hebammen und der Pflege von Neugeborenen beschäftigen. Im 10. Jahrhundert n. Chr. verfasste der persische Arzt Rhazes das erste Buch, welches sich ausschließlich auf Erkrankungen im Kindesalter fokussierte. Verfasst wurde das Werk in Latein.
Der Begriff Pädiatrie
Ein Arzt aus der Schweiz namens Theodor Zwinger war es, der 1722 den Begriff Pädiatrie in die Welt der Medizin einführte. Das Wort stammt aus dem Griechischen und setzt sich wie folgt zusammen: padios = „Kind“ und iatreia = „Heilung, ärztliche Behandlung“. Gemeinsam angewendet kommt es so zu dem Begriff Kinderheilkunde.
Allerdings bestand zu dieser Zeit noch kein Zugang zu wissenschaftlich fundierten Untersuchungen in der Pädiatrie. Jegliches Wissen bezüglich der unterschiedlichen Kindererkrankungen wurde größtenteils über eigene Beobachtungen festgehalten und weitergegeben.
Das erste Kinderkrankenhaus
Das erste bekannte Kinderkrankenhaus eröffnete 1802 unter dem Namen „Hospital des enfants malades“ (Hospital für kranke Kinder) in Paris. In Deutschland war es 1829, als offiziell das Kinderkrankenhaus an der Charité in Berlin zu Einsatz kam. Doch schon zuvor sind Einrichtungen, die sich um das Wohl erkrankter Kinder kümmerten nachweisbar. So gab es bereits 1702, ebenfalls in Berlin, eine sogenannte Krankenstube für Waisenkinder. Und 1863 engagierten sich Bürgerinnen und Bürger in Hannover darum, einen Verein zum Wohle armer und kranker Kinder zu gründen. 1865 entstand aus diesem Verein das Kinderkrankenhaus „Kinderheule“. Noch heute besteht dieses Hospital, allerdings unter dem Namen „Auf der Bult“.
Ausbildungsentwicklung in der pädiatrischen Pflege
Die erste staatliche anerkannte Prüfung in der Kinderkrankenpflege wurde 1907 eingeführt. Die Ausbildung dauerte ein Jahr. Die Absolventinnen trugen bei bestandener Prüfung den Titel Säuglingsschwestern. 1923 wurde dann die Ausbildungszeit für Säuglings- und Kinderpflegerinnen auf zwei Jahre erhöht. Das Krankenpflegegesetz tritt offiziell in der Bundesrepublik Deutschland 1957 in Kraft. Es folgt eine dreijährige Berufsausbildung zur Kinderschwester. 1965 kommt es zur ersten Novellierung des Krankenpflegegesetzes. Die Berufsbezeichnung lautet von nun an Kinderkrankenschwester/Kinderkrankenpfleger. Nach einer zweiten Novellierung des Krankenpflegegesetzes 1985, liegt 2004 die dritte Novellierung vor. Hiermit tritt die offizielle Berufsbezeichnung Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin / Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger in Kraft. Seit 2020 und nach Einführung der generalistischen Ausbildung in 2017 lautet die Berufsbezeichnung Pflegefachfrau/Pflegefachmann mit oder ohne akademischen Grad und Vertiefungseinsatz Pädiatrie oder wie zuvor Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin / Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger.
Berufsfelder in der Kinderkrankenpflege
Wer seine berufliche Zukunft in der Pädiatrie sieht, dem stehen verschiede Berufsfelder zur Wahl: Kliniken sind nach wie vor das Haupteinsatzgebiet für Pflegefachpersonen in der Kinderkrankenpflege. Dabei wird unterschieden in Kinder- und Jugendkrankenhäuser, Allgemeinkrankenhäuser mit Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin, Neugeborenenstation, Abteilung für Frühgeborene, sowie Kliniken bei denen Kinder und Jugendliche auf Allgemeinstationen versorgt werden. Des Weiteren besteht die Möglichkeit in Fachkliniken für bestimmte Erkrankungen zu arbeiten, also z. B. für Kinder mit Asthma bronchiale oder schweren Allergien. Auch Rehabilitationskliniken und Tageskliniken für akute und chronische Erkrankungen stellen beliebte Arbeitsplätze dar. Eigenständige Arbeitszweige sind Kinderpsychiatrien, Kinderhospize sowie die ambulante Versorgung im häuslichen Bereich.
Sozialpädiatrie
Die Sozialpädiatrie ist Teil der pädiatrischen Arbeit. Der Fokus liegt hierbei auf den äußeren Einflüssen, welche Auswirkungen auf die Gesundheit und Entwicklung im Kindes- und Jugendalter haben. Hierzu gehören u. a. Prävention, Behandlung, Rehabilitation, sowie Faktoren für eine gelungene Teilhabe an der Gesellschaft und Lebensbewältigung.
Prävention
Kinderkrankenpflege und Prävention gehen „Hand in Hand“. Um Krankheiten und Risikofaktoren zu reduzieren, sind von Geburt an Aufklärung und Beratung Teil des Pflegealltags. So zählen Beratungen zur Unfallverhütung beispielsweise zu der Verhaltensprävention. Die Verhältnisprävention hingegen, wird durch den Gesetzgeber festgelegt (z. B. Kindersitzpflicht) und zeigt sich im Kinderkrankenpflegealltag u. a. durch Maßnahmen wie Impfungen, Ernährung oder Allergieprävention. Diese beiden Präventionsformen zählen zu der Primärprävention. Die Sekundärprävention beschäftigt sich mit der Früherkennung oder dem Fortschreiten einer Erkrankung. Die Pflege hat hierbei u. a. bei Vorsorgeuntersuchungen und Screenings ein Aufgabengebiet. Bei der Tertiärprävention liegt das Hauptaugenmerk darauf, das Fortschreiten von Erkrankungen zu verhindern. Pflegende arbeiten hier sehr häufig mit Kindern, welche an chronischen Erkrankungen, wie Diabetes mellitus Typ 1, leiden. Nach der Prävention ist die Rehabilitation eine ebenso große Säule, welche Kindern und Jugendlichen u. a. hilft trotz Erkrankung sozial integriert zu sein.
Quellen:
G. Fley, F. Schneider (2024): Pflege Heute Pädiatrische Pflege, 2. Aufl., Elsevier Verlag München

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Gesundheits- und Krankenpflegerin
Pflegepädagogin (B.A.)
Autorin / Redakteurin für Pflegefachliteratur

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