Konkremente in der Gallenblase (Cholezystolithiasis) u./o. den Gallengängen (Choledocholithiasis); syn. Gallensteinerkrankung
Ursachen
- Mit kristallbildenden Substanzen übersättigte Gallenflüssigkeit, z. B. Cholesterin,
Bilirubin - Längeres Verweilen der Galle in der Gallenblase bei geringer Gallenblasenbeweglichkeit
- Risikofaktoren (6F-Regel: female, fair, fat, forty, fertile, family):
– Weibl. Geschlecht
– Blond
– Adipositas
– Zunehmendes Alter (> 40. Lj.)
– Schwangerschaften
– Erbl. Disposition
Zudem: Diabetes mellitus; fettreiche, ballaststoffarme Ernährung
Symptome
- Meist asymptomatisch (ungefähr 75 %)
- Völlegefühl, Blähungen, Druckschmerz im rechten Oberbauch, Fettunverträglichkeit
- Gallenkolik bei Steinaustreibung in den Ductus cysticus o. Ductus choledochus: heftige krampfartige Schmerzen mit Ausstrahlung in Rücken, Schweißausbruch, Übelkeit, Erbrechen, evtl. Kreislaufkollaps, ggf. Temp. ↑
- Ikterus
Diagnostik
- Anamnese (Koliken? Risikofaktoren?) u. körperliche Untersuchung, Palpation, Druckschmerz in Leberregion bei Palpation in tiefer Inspiration
- Sono, ERCP, CT, Kontrastmitteluntersuchungen
- Blut: bei Entzündung der Gallenblase BSG ↑, CRP ↑, Leukozytose, Bilirubin ↑, AP ↑ u. γ-GT ↑
- DD: Nierenkoliken, Pankreatitis, Myokardinfarkt, Ileus, Ulcus (Magen/Duodenum), Appendizitis
Therapie
- Keine Therapie bei stummen Gallensteinen, Ausnahme: Porzellangallenblase oder Polypen, da hohes Risiko für Gallenblasen- Karzinom
- Gallenkolik: Spasmolytika (Butylscopolamin), Schmerzmittel
- Nahrungskarenz, später fettarme Kost, bei anhaltender Symptomatik ggf. Früh-OP
- Bei gleichzeitiger Gallenblasenentzündung (Cholezystitis) Antibiotikagabe
- Operative Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) im beschwerdefreien Intervall, laparoskopisch o. konventionell oder bei komplizierter Chole (docho) lithiasis
- ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikografie) ggf. mit Entfernung der Steine in den Gallenwegen
- ESWL (extrakorporale Stoßwellenlithotrypsie)
Hinweise zur Pflege
- Bei Gallenkolik: Vitalzeichenkontrolle, Schmerzverlauf kontrollieren, Schmerzmittelgabe nach AO, Bettruhe, Nahrungskarenz, Knierolle zur Bauchdeckenentspannung
- Bei Cholezystektomie: allg. postop. Überwachung, Frühmobilisation, Beobachtung auf Schmerzen und Ikteruszeichen, Kostaufbau nach AO und Verträglichkeit, Appetit
- Bei liegender T-Drainage: Beobachtung auf Durchgängigkeit, Menge der Gallenflüssigkeit; Beutel immer unter Pat.-niveau hängen
bis Gallenfluss deutlich rückläufig, dann intermittierend abklemmen
Besondere Informationen
- Mehrzahl der Steine bilden sich in Gallenblase, Steine in Gallenwegen meist Folge einer Steinaustreibung
- Komplikationen je nach Lokalisation der Steine:
– Akute Cholezystitis
– Gallenwegsentzündung (Cholangitis)
– Verschlussikterus
– Gallenblasenhydrops
– Empyem
– Gallenblasenperforation mit Peritonitis
– Akute biliäre Pankreatitis
– Porzellangallenblase
