Klin. Manifestation der Hyperurikämie; syn. Urikopathie
Ursachen
- Hyperurikämie (Harnsäureerhöhung im Blut ≥ 6,5 mg/dl) → Ablagerungen von Harnsäurekristallen (Urate) in Gewebe, Gelenken, Harnwegen
- Unterschieden werden:
– Primäre Hyperurikämie (häufig): erbl. bedingte Störung der Harnsäureausscheidung (autosomal dominant) oder (sehr selten) genetisch bedingte Überproduktion von Harnsäure (x-chromosomal-rezessiv), manifestiert sich bei Übergewicht, purinreicher Kost, Alkoholkonsum
– Sekundäre Hyperurikämie (seltener): Harnsäureerhöhung infolge vermehrten
Zelluntergangs (z. B. Zytostatikatherapie) o. einer Nierenfunktionsstörung
Symptome
- Stadium I: asymptomatische Hyperurikämie
- Stadium II: akuter Gichtanfall (meist nachts): plötzl. heftigste Schmerzen in einem Gelenk (meist Großzehengrundgelenk), Gelenk gerötet, geschwollen, überwärmt, extrem berührungsempfindl., ggf. Fieber
- Stadium III: symptomfreie Intervalle zwischen 2 Gichtanfällen
- Stadium IV (heute selten): chron. Gicht mit Gelenkdeformierungen u. Harnsäureablagerunge in Weichteilen u. Knochen
- Bei Lesch-Nyhan-Syndrom (x-chrom.rez.) fast nur Jungen betroffen: in den ersten Lebensmonaten eingeschränkter Bewegungsdrang, ggf. geistige Retardierung, selbstverletzendes Verhalten
Diagnostik
- Labor: Harnsäure ↑
- Gichtanfall: klin. Symptomatik, Entzündungszeichen
(BSG ↑, CRP ↑, Leukozytose)
Therapie
- Bei Gichtanfall: NSAR (entzündungs- u. schmerzhemmend); ggf. auch Colchicin, unterbricht Anfall rasch, aber keine schmerzu. entzündungshemmende Wirkung; ggf. Kortisongabe
- Intervalltherapie (Harnsäurespiegel senken):
– Diät
– Medikamente, Mittel der Wahl: Allopurinol (Urikostatikum) zur Hemmung der Harnsäureproduktion
Hinweise zur Pflege
- Gesundheitsberatung über:
– Diät u. ihren Stellenwert: purinarme Kost (wenig Fleisch), Alkoholabstinenz (Bier
ist purinreich), wenig Kaffee
– Gewichtsreduktion, aber keine Fastenkuren (erhöhen Harnsäurespiegel)
– Extreme körperliche Belastung und Unterkühlung können Gichtanfall auslösen - Bei Gabe von Urikostatika auf ausreichende Trinkmenge zur Bildung von mind. 2 l Urin pro Tag achten
- Betroffene Gelenke im akuten Anfall ruhigstellen und kühlen
| Besonderheiten beim alten Menschen |
| Bei Menschen mit kognitiver Einschränkung (z. B. demenzielle Erkrankung): unruhiges Verhalten (mögliches Anzeichen von Schmerz) |
Besondere Informationen
- Zu 95 % sind Männer betroffen, gute Prognose bei konsequenter Therapie
- Komplikation: Uratnephropathie (Gichtniere), in allen Stadien mögl.
